Mit 16 Schülern der 10. Klassen fuhren wir am 3. Juni dieses Jahres nach Kwidzyn in Polen. Dort verbrachten wir eine Woche mit unseren Austauschschülern vom Liceum Władysław Gębik, Partnerschule des Ernestinums.

Doch das Abenteuer begann schon vor unserer Ankunft in Kwidzyn, sobald wir in den ersten polnischen Zug eingestiegen waren. Wir fühlten uns ein bisschen an den Hogwarts-Express aus Harry Potter erinnert. Man sitzt in Achterabteilen und versucht, gegen das Rattern des Zuges anschreiend sich zu unterhalten, solange bis einer unter großen Mühen das Fenster zumachen muss, woraufhin man im Abteil beinahe erstickt. Auch mit den ersten Sprachschwierigkeiten wurden wir bereits im Zug konfrontiert, als ein Mann vom Zugpersonal hereinkam und uns „Koffittijuice“ anbot (gemeint war: Coffee, Tea, Juice).

Am Bahnhof in Kwidzyn (pünktlich!) wurden wir von unseren Gastfamilien herzlich empfangen. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen und mit Essen reichlich, oft mehr als reichlich, versorgt. Dabei haben wir auch einige sehr polnische Gerichte probieren können, teilweise äußerst seltsame Kombinationen (wie Nudeln mit Erdbeersoße oder Pizza mit allem einschließlich Ketchup und Majo), die oft überraschend gut geschmeckt haben.

Wir besuchten neben Kwidzyn auch die Städte Gdansk und Torun, wo wir uns in deutsch-polnischen Gruppen Informationen zu Gebäuden, Denkmälern, Persönlichkeiten und Ereignissen der polnischen Geschichte erarbeitet haben. Mit der Marienburg, dem mittelalterlichen Hauptsitz des Deutschen Ordens, besuchten wir ein spannendes und beeindruckendes Stück deutsch-polnischer Geschichte. Neben dem geplanten Programm unternahmen wir auch vieles gemeinsam in Gruppen, wie zum Beispiel Paintball, Grillabende und Ausflüge zum See.

Zur Rückfahrt sollte, da wir vorher noch über polnische Züge hergezogen haben, erwähnt werden, dass wir wegen des Hochwassers in Brandenburg rund fünf Stunden später in Celle ankamen als geplant. Trotzdem (oder gerade deshalb) hat uns auch diese Zugfahrt sehr viel Spaß gemacht.

Am 4. September kamen die polnischen Schüler –langweiligerweise mit dem Bus- nach Deutschland. Auf dem Programm standen eine Stadtrallye durch Celle, ein Ausflug nach Hamburg und eine Wanderung im Harz mit vorheriger Besichtigung der Gedenkstätte an der ehemaligen Grenzübergangsstelle BRD – DDR Marienborn. Wir hatten schönes Wetter, gute Stimmung und viel Spaß beim Wandern.

Der wohl interessanteste und lustigste Programmpunkt war der Kochwettbewerb am vorletzten Tag des Besuchs. In vier Gruppen mit jeweils acht Schülern wurden in der Schulküche wahre „Kochexzesse“ betrieben, um Herr Höxtermanns Worte zu gebrauchen. Jede Gruppe hatte eine Suppe, ein kaltes Zwischengericht, ein Hauptgericht und ein Dessert mit nur 35€ zuzubereiten und der Lehrerjury zu servieren. Auch das Erstellen der Kochzeitschrift forderte uns zur Kommunikation heraus – versuche beispielsweise „Brühwürfel“ auf Englisch zu erklären. Beim gemeinsamen Abschlussgrillen im Bootshaus Ernestinum-Hölty wurden die Sieger des Kochwettbewerbs geehrt und ein Rudereiner auf den Namen „Kwidzyn“ getauft.

Auch in Deutschland haben wir Schüler unsere Freizeit mit gemeinsamen Ausflügen, zum Beispiel in den Heidepark, und Besuchen in Cafes und Restaurants verbracht.

Was wir aus diesem Austausch mitgenommen haben: Für die polnischen Schüler waren es eindeutig ihre deutschen Lieblingswörter Himmel, Massaker, bekifft, ach so, Jägerschnitzel und probieren und die Erkenntnis, dass alle deutschen Verben auf -ieren enden (siehe auch: parkieren, wandieren). Wir haben zwei aufregende und lustige Wochen erlebt, enge Kontakte geknüpft und einen neuen Eindruck über Nachbarland Polen gewonnen: Die Menschen sind sehr aufgeschlossen, gastfreundlich und sehr halsbrecherische Autofahrer.

 

Marie Schwager und Friederike Altmann Jg. 11