Mittwoch, 18.05. - 5 Uhr morgens. Der Wecker klingelt, ein paar letzte Sachen werden eingepackt, die gemütlichen Reiseklamotten werden angezogen, vielleicht noch ein schnelles 6 Uhr-Frühstück und los geht's. So oder ähnlich sah bei 12 Schülern aus den Jahrgängen 10 und 11 der Start in eine ca. 10-stündige Zugreise, aber viel wichtiger der Start in eine Woche voller interessanter Begegnungen und Erfahrungen aus. 

Während die Anreise bis auf eine kleine Ausnahme ohne Zwischenfälle und noch relativ ruhig verlief, ging es dann nach der freudigen Ankunft in dem schönen, polnischen Kwidzyn (ehemals Marienwerder) richtig los. Ein insgesamt umfangreiches Programm, organisiert von der polnischen Deutschlehrerin Alexandra Trzaska, wurde am Donnerstag durch einen Be-such der Schule eingeläutet. Nach Besichtigung des eigenen Schulmuseums und dem Gebäude an sich ging es weiter mit ein paar "icebreaking-activities", durch die wir natürlich unsere polnischen Gastschüler, aber auch uns untereinander direkt ein Stück besser kennenlernten. Durch einen von den Gastgebern vorbereiteten Snack gut gestärkt, haben wir  in gemischten Gruppen sogar das Zeichnen der polnischen und der deutschen Landkarte mehr oder weniger gut gemeistert. Von der Schule aus ging es dann bei bestem Wetter mit einem kleinen Spaziergang durch Kwidzyns Innenstadt zum Landkreisamt, wo uns der Landrat begrüßte und einen kurzen Überblick über die Geschichte der Partnerschaft zwischen Celle und Kwidzyn lieferte - diese existiert übrigens seit 1993! Über die Tage hinweg hatten wir in vierer Gruppen - bestehend aus jeweils zwei Austauschpärchen - historische Fragen zu den verschiedenen Ausflugszielen zu beantworten, die erste "Station" war dabei schon in Kwidzyn selbst. Eine Zeiteinteilung für diese Aktivität war allerdings nicht vorgegeben, sodass wir, als große Gruppe aus zwei Kulturkreisen, in denen Essen ganz oben steht, uns erstmal einem Restaurantbesuch widmeten, bei dem teilweise 50 cm große Pizzen verspeist wurden - und das für umgerechnet gerade einmal 6€! Da auch das restliche Programm sonst freigestaltbar war an diesem Tag, verbrachten wir nach Erfüllung unserer Aufgaben den Abend in kleineren oder größeren Gruppen untereinander.  

Freitagmorgen, wieder einmal klingelt der Wecker in aller Herrgottsfrühe und wieder steht eine Zugreise an.    .....

... Doch nein, es geht nicht etwa schon wieder zurück - Danzig steht an! 

Vom Bahnhof in Gdańsk sind es nur wenige hundert Meter bis zur (ehemaligen Lenin-) Werft, einem historisch sehr bedeutsamen Ort. Dort wurde durch Arbeiterstreiks Anfang der 1980iger Jahre der Grundstein für ein demokratisches Polen, für freie Gewerkschaften und vieles Weitere gelegt. Das und noch viel mehr lernten wir also im „European Center of Solidarity“ (ECS) kennen und hatten sogar das Glück, einen der damaligen Anführer gegen den Kommunismus höchstpersönlich zu sehen - Lech Wałęsa. Von dort aus ging es dann in die wunderschöne Altstadt Danzigs, in der wir den dritten Teil unserer historischen Fragen beantworteten und diese erkundeten. Mit einer knapp einstündigen Zugfahrt sind wir dann in den kleinen Küstenort Sopot gelangt, wo wir in kleinen Grüppchen unseren Nachmittag im strahlenden Sonnenschein verbrachten.

Am Samstagmorgen stand wieder ein größerer Ausflug an: Mit dem Bus fuhren wir ca. 2 Stunden in die Stadt Thorn/Toruń, wo wir zum Einstieg an einer Rallye mit kleineren Aufgaben durch die historische Altstadt teilnahmen und außerdem den letzten Teil unseres Projekts erledigten. Anschließend hatten wir Freizeit und besuchten u.a. ein historisches Geschäft, in dem die für Thorn typischen Lebkuchen und -variationen verkauft wurden. Wieder einmal war das Wetter unschlagbar und wir konnten den Tag rundum genießen! Da am Sonntag Familientag sein sollte, gingen einige von uns am Samstagabend auf eine Feier, die von Leuten aus dem diesjährigen Maturajahrgang (Matura entspricht unserem Abitur) organisiert worden war, von denen schon viele in den vergangenen Jahren an unserem Austausch teilgenommen hatten.

Sonntag hieß es dann also für fast alle AUSSCHLAFEN und in der Mitte der Woche schon einmal die vielen, wunderschönen Erlebnisse Revue passieren zu lassen. Nachmittags trafen wir uns gemeinsam auf dem Hof einer der Austauschschülerinnen, grillten am offenen Lagerfeuer und spielten diverse Spiele miteinander. Doch natürlich haben wir nicht nur Urlaub bei perfektem Wetter gemacht - am Montagmorgen drückten wir mit unseren Austauschschülern zusammen die Schulbank, um anschließend unser vergangenes Projekt auszuwerten und uns gegenseitig in Präsentationen Informationen über die besuchten Städte vorzustellen. An diesem Tag eröffneten wir außerdem unsere Facebook-Fanpage (Wer Fotos sehen möchte, ist herzlich eingeladen, sich die Seite anzuschauen!) und erstellten ein kurzes "Phrasebook" mit nützlichen Sätzen auf Deutsch, Englisch und Polnisch. Als Überraschung fuhren wir am Nachmittag in ein Bildhaueratelier eines nahegelegenen Dorfs, wo wir Skulpturen sowohl aus Seife als auch aus Ton fertigten. Eine der Austauschschülerinnen wohnte praktischerweise nicht weit entfernt, sodass wir uns bei ihr zu einem abendlichen Grillen versammelten und nebenbei die Geburtstage von dreien von uns ein wenig feierten. Als am Dienstagmorgen der Wecker ein weiteres Mal klingelte, konnte wahrscheinlich keiner so recht glauben, wie schnell die Zeit vergangen war! Es stand ein letzter Ausflug bevor, allerdings nur für uns Deutsche. Mit dem Bus fuhren wir nach Malbork zur Marienburg - der weltgrößten Backsteinburg aus dem Mittelalter, ausgezeichnet als Weltkulturerbe der UNESCO. Ein äußerst humorvoller Tourguide zeigte uns einen kleinen Teil der riesigen Anlage und gab uns einen Überblick über die knapp 700 Jahre alte Geschichte - definitiv eines der Highlights! Zum Abschluss zurück an der Schule in Kwidzyn nahmen wir am sogenannten "Schulpicknick" teil, quasi ein Sommerfest, bei dem jede Klasse in Disziplinen, wie Tauziehen, Tischkicker, Volleyball, Hotdog-Wettessen und vielen weiteren, gegenein-ander antritt. Außerdem spielt die Schulband und man wird kulinarisch versorgt - alles organisiert vom jeweiligen Abschlussjahrgang. Damit ging also eine eventreiche und sehr lohnenswerte Woche zu Ende, in der wir uns so miteinander angefreundet haben, dass der Abschied mittwochfrüh schon enorm schwer fiel… doch es ist ja nicht mehr lang: Denn im September empfangen wir unsere Gäste in Celle

Antonia Hollerbach, Jg. 11