Zwischen Petticoat und Galgenstrick

Im Jahr 2012 war die Suche nach einem geeigneten Theaterstück für unsere AG wieder einmal alles andere als einfach und wir haben zwischen allen Stühlen begonnen, ehe wir zwischen Petticoat und Galgenstrick landeten. Dies ist Ingo Sax’ moderne Variante von John Gays „The Beggar’s Opera“, dem Stück, das Bertolt Brecht 1928 zu seiner berühmten „Dreigroschenoper“ umschrieb. 


Es ging an die Rollenverteilung und schließlich konnte mit den Proben begonnen werden. Nach und nach entstand das Bühnenbild, Kostüme wurden gesucht, bestellt oder genäht, Wochenendproben wurden angesetzt und, und, und… All die Mühe kostete ein paar Nerven, doch am Ende waren wieder einmal alle froh, die Zeit investiert zu haben, als schließlich das komplette Stück stand und das Publikum die Untiefen des Londoner 18. Jahrhunderts betrachten durfte:

Inhalt:

Als erfolgreicher Hehler sieht Peachum (Hinrich Bahne-Schrade) an Frauen nur das Praktische: sie bringen viel Geld ein und man kann sie gut einsetzen, um an Informationen zu kommen. Deshalb ist er mit seiner Frau Mrs. Peachum (Johanne Bellersen) natürlich auch nicht verheiratet. So kann Mrs. Peachum auch viel zwangloser mit anderen Leuten ins Bett steigen und sei es nur, um dem Geschäft ihres Mannes dienlich zu sein. Da ist es nicht weiter erstaunlich, dass beide Eltern gar nicht erfreut sind, als sie von der Hochzeit ihrer Tochter Polly (Carmen Ilper) erfahren.

Auch ihr Gemahl, der berühmte Straßenräuber und Frauenheld Captain Macheath (Nils Finck), ist nicht ganz glücklich über die im Suff geschlossene Ehe. Als er von Peachums Geschäftspartner und Leiter des Newgate-Gefängnisses Lockit (Hinrich Mahler) verhaftet wird, ist er auch noch dessen Tochter Lucy (Leoni Jentsch) ausgeliefert, die ein Kind von ihm erwartet. Der arme Macheath wird von beiden Frauen drangsaliert, aber schließlich von Lucy befreit – unter der Voraussetzung einer Heirat. Macheath macht sich jedoch aus dem Staub.

Peachum erfährt über Polly von der Flucht des Gefangenen und sieht Lockit als Schuldigen, der beseitigt werden muss. Und so treffen am Ende alle in der örtlichen Kneipe zusammen und alle haben verschiedene Interessen:

Macheath will am Leben bleiben und das ohne Frau. Peachum will Lockit umlegen und Macheath wiederhaben. Lockit hat Lucy für die Freilassung Macheaths verziehen und will nun über eine Heirat der beiden an dessen Vermögen. Lucy will Polly aus dem Weg räumen und Macheath finden, der sich vor ihr versteckt. Polly will Lucy unter die Erde bringen, weil sie ihren Mann befreit hat. Nelly, die Wirtin (Lara-Sophie Schneider), will keine Toten, denn ihre Bar ist ein ordentliches Lokal! Und Miss Diana (Ann-Kathrin Könneker), Inhaberin des besten Puffs verfolgt im Sinne der Theaterleiterin das Ziel, Macheath am Leben zu lassen, denn so einen Helden wie ihn wollen die Leute doch lebend sehen. All diese Konflikte münden in eine Frage: Soll Macheath hängen oder nicht? Als schließlich Macheath aus der Rolle fällt und wieder zum Dichter wird, der auf seinem Text beharrt, endet alles im völligen Chaos.

 

Am Schluss jeder Aufführung wurde das Publikum aufgefordert, über den Ausgang des Stückes zu entscheiden: Petticoat oder Galgenstrick? In den drei Aufführungen hatten wir alles dabei: Das Happy End, den Galgen und bei der dritten Aufführung fanden wir sogar eine Lösung, beide Enden zu spielen.

Gespickt mit fünf Liedern (Texte, Musik und musikalische Leitung: Maurice Meuschel) und einem finalen Gruß aus der Hölle war das Stück nicht nur für uns Schauspieler ein Riesenspaß, sondern kam auch beim Publikum sehr gut an.

Es schmerzt nur, dass „Macheath“ für einige von uns das letzte Stück am Ernestinum war… die anderen machen natürlich weiter ☺!

Hinrich Mahler