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Warum Latein?
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Warum Latein? Der Bildungsbeitrag des Faches Latein

DSC_0477Die römische Antike prägt zusammen mit der griechischen Antike und dem jüdisch-christlichen Gedankengut Europa in seinen Vorstellungen, Werten und Lebensweisen bis in die heutige Zeit. Die lateinische Sprache lebt in den romanischen Sprachen fort und hat weitere europäische Sprachen in starkem Ausmaß beeinflusst.

Das Fach Latein eröffnet mit der lateinischen Sprache einen spezifischen Zugang zu der antiken römischen Welt und vermittelt damit vertiefte Einsichten in das antike Weltbild und gleichzeitig in geistesgeschichtliche, historische, ästhetische und sprachliche Prägungen des modernen Europa. Durch die Einbeziehung lateinischsprachiger Literatur des Mittelalters und der Neuzeit in den Unterricht gibt das Fach Latein auch Einblicke in das Weiterleben der römischen Kultur und der lateinischen Sprache und schlägt hierdurch eine Brücke zwischen Antike und Moderne.

Durch die Begegnung mit Zeugnissen der Literatur, der Wissenschaften, der Kunst und des Alltags der römischen Antike trägt der Lateinunterricht dazu bei, das Bewusstsein einer europäischen Identität zu entwickeln, das sich auf gemeinsame Grundlagen wie Humanismus, Wissenschaftlichkeit undRechtsstaatlichkeit stützt.

Die Vermittlung der römischen Antike wird vornehmlich durch lateinischsprachige Texte ermöglicht, die somit im Mittelpunkt des Lateinunterrichts stehen. Die Schülerinnen und Schüler treten beim Übersetzungsvorgang in einen Dialog mit dem lateinischen Text, indem sie seine Aussage erschließen und seinen Gehalt und seine Intention deuten (historische Kommunikation). Die jungen Menschen setzen sich mit den so erschlossenen Aussagen und Fragestellungen auseinander, stellen Beziehungen zu ihrer eigenen Zeit und Lebenssituation her und bemühen sich um individuelle Antworten auf die Problemstellungen der lateinischen Texte, wodurch sie Hilfestellung zur persönlichen Orientierung im privaten wie gesellschaftlichen Bereich für die Gegenwart und die Zukunft erfahren (ethische Kommunikation).

Die lateinischen Texte - einschließlich der Lehrbuchtexte - werfen häufig in exemplarischer Weise Grundfragen menschlicher Existenz (einschließlich religiöser Dimensionen) auf; deshalb sind diese Texte dazu geeignet, Grundpositionen zu vermitteln und junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsbildung zu unterstützen. Da die lateinischen Texte gleichzeitig vielfältige Vorstellungen enthalten,die der heutigen Zeit fremd sind, fördert die Auseinandersetzung mit ihnen auch einen vorurteilsfreienUmgang mit fremden Kulturen und einen bewussteren Blick auf die eigene Kultur (interkulturelle Kommunikation).

DSC_0518Durch den engen Zusammenhang des Lateinunterrichts mit dem Fach Deutsch und den modernen Fremdsprachen ergeben sich hinsichtlich der sprachlichen Ausbildung und literarischen Bildung der Schülerinnen und Schüler vielfältige Synergieeffekte.

Als Basissprache erleichtert das Lateinische das Erlernen romanischer Sprachen und erschließt in weitem Umfang Fremdwörter im Deutschen sowie die Terminologie bestimmter wissenschaftlicher Fachsprachen.

Bei der Sprachbetrachtung und Sprachbehandlung setzt der Lateinunterricht seine Schwerpunkte anders als der Unterricht in den Fächern, in denen die Kommunikation in der Fremdsprache im Vordergrund steht. Im Lateinunterricht lernen die Schülerinnen und Schüler schwerpunktmäßig, Sprache analytisch zu erschließen und als Modell zu begreifen (Latein als Reflexionssprache). Dadurch wird ihnen der generelle Zusammenhang von Sprache und Denken, von Form und Inhalt bewusst, nachvollziehbar und auf andere Sprachen übertragbar; insbesondere werden die Schülerinnen und Schüler hierdurch zu einem bewussteren Umgang mit der deutschen Sprache angeregt.

Die intensive Sprach-, Übersetzungs- und textanalytische Arbeit, die für den Lateinunterricht konstitutiv ist, fördert in spezifischer Weise die allgemeine Lese-, Ausdrucks- und Diskursfähigkeit der Schülerinnen und Schüler und trägt gleichzeitig zum Erwerb von Lern- und Arbeitshaltungen wie Konzentrationsfähigkeit und Genauigkeit, Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit, Aufgeschlossenheit und wissenschaftlicher Neugier nachhaltig bei. Damit leistet das Fach Latein wichtige Beiträge zum wissenschaftspropädeutischen Lernen und Arbeiten, das den jungen Menschen in Schule, Studiumund Beruf zugute kommt.

Da sich Themen, Motive und Formen der römischen Literatur in Europa bis in die Gegenwart fortgesetzt haben, trägt der Lateinunterricht zur unterrichtlichen Arbeit in anderen literarischen Fächern bei.

(Quelle: Kerncurriculum für das Gymnasium Schuljahrgänge 5 - 10, Niedersächsisches Kultusministerium, 2008)

Bezüglich gymnasialen Oberstufe vertieft und erweitert das Fach Latein insbesondere durch die Einbeziehung wissenschaftlicher Methoden und Fragestellungen die im Sekundarbereich I erworbenen Sprach-, Text- und Kulturkompetenzen. Es leistet damit im Rahmen des Fächerangebotes der gymnasialen Oberstufe einen Beitrag zur Vermittlung einer wissenschaftspropädeutischen Grundbildung, die die Schülerinnen und Schüler zu einem universitären oder berufsbezogenen Bildungsgang qualifiziert. Da die Werke lateinischer Autoren häufig in exemplarischer Weise Grundfragen menschlichen Lebens aufwerfen, ist der Lateinunterricht in der Oberstufe auch darauf ausgerichtet, die jungen Menschen in ihrem Selbstfindungsprozess und ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen, damit sie sich nicht nur im späteren Berufsleben, sondern auch im gesellschaftlichen und privaten Raum zurechtfinden können. Ein wesentliches Ziel lateinischen Oberstufenunterrichts ist daher die Entfaltung einer ganzheitlichen Persönlichkeit, die in allen Lebensbereichen selbstbestimmt und verantwortlich handelt und auf die funktionierende Demokratien angewiesen sind. Das Fach Latein eröffnet in der gymnasialen Oberstufe über die Erschließung lateinischer Originaltexte und deren kritische Reflexion einen unmittelbaren Zugang zu wesentlichen Grundlagen der europäischen Kultur. Die Auseinandersetzung mit der römischen Antike ermöglicht den Schülerinnen und Schülern, die Geschichte und Gegenwart Europas tiefgreifender zu verstehen und Impulse für die Bewältigung heutiger Probleme zu erhalten. Das Fach Latein kann im Zuge des europäischen Einigungsprozesses insbesondere dazu beitragen, das Bewusstsein einer europäischen Identität zu stärken, das sich auf gemeinsame, in der Antike entwickelte Grundlagen wie Humanismus, Wissenschaftlichkeit und Rechtsstaatlichkeit stützt. Der Lateinunterricht in der gymnasialen Oberstufe bietet einen vertieften Einblick in das Funktionsgefüge und in die speziellen Kommunikationsbedingungen eines abgeschlossenen sprachlichen Systems. Dies kann die Schülerinnen und Schüler zu intensivem und umfassendem Nachdenken über die Gesetzmäßigkeiten und Wirkungen von Sprache überhaupt anregen. Die bei dieser Sprachreflexion erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen sind auf das Deutsche und auf moderne Fremdsprachen übertragbar. Damit werden die im Sekundarbereich I begonnene Erziehung zu einem bewussten und kompetenten Umgang mit der deutschen Sprache und die Nutzung des Lateinischen als Basissprache für moderne Fremdsprachen fortgesetzt und ausgebaut. Die Vermittlung der römischen Literatur und Kultur erfolgt durch die historisch-ethische Kommunikation. Die Schülerinnen und Schüler treten durch den Erschließungs-, Übersetzungs- und Deutungsprozess in einen Dialog mit dem lateinischen Text (historische Kommunikation) und ziehen aus der Auseinandersetzung mit den Fragestellungen und Lösungen der lateinischen Texte Gewinn für die eigene Standpunktfindung und Handlungsweise (ethische Kommunikation). Die historisch-ethische Kommunikation in der Oberstufe unterscheidet sich von derjenigen im Sekundarbereich I durch einen deutlich höheren Grad der prozessualen und methodischen Selbstständigkeit. Die historisch-ethische Kommunikation ist in der gymnasialen Oberstufe auf die im Folgenden genannten Gegenstandsbereiche konzentriert. Anhand dieser Gegenstandsbereiche werden die im Sekundarbereich I erworbenen Kompetenzen vertieft und erweitert: 8 • Sprache - Literatur • Gesellschaft - Kultur • Politik - Geschichte • Philosophie - Religion Diese Gegenstandsbereiche spiegeln die römische Literatur umfassend wider und strukturieren den Kompetenzerwerb (vgl. Kapitel 2.4). Im Rahmen der Gegenstandsbereiche macht der Lateinunterricht in der gymnasialen Oberstufe die Schülerinnen und Schüler mit bedeutenden Autoren und Werken verschiedener Epochen und Gattungen – darunter auch mit mindestens einer Gattung der Poesie –, mit Motiven und Formen der römischen Literatur sowie den ästhetischen Qualitäten literarischer Werke bekannt. Die Schülerinnen und Schüler reflektieren dabei repräsentative Inhalte und Fragestellungen der römischen Literatur und Philosophie sowie römische Leitbegriffe und die ihnen zugrunde liegenden Wert- und Zielvorstellungen. Die Mittlerrolle der römischen Literatur bei der Rezeption der griechischen Kultur wird dabei berücksichtigt. Da die Auswahl der Autoren und Themen für die Oberstufenarbeit auch unter dem Aspekt erfolgt, wie wirkungsträchtig sie in der europäischen Literatur bis in die Gegenwart geblieben sind, trägt der Lateinunterricht auch zum Literaturunterricht in anderen Fächern bei. Hier werden die Synergieeffekte, die sich durch den sachlichen Zusammenhang des Lateinunterrichts mit anderen Fächern ergeben, besonders deutlich.

(Quelle: Kerncurriculum für die gymnasiale Oberstufe, Niedersächsisches Kultusministerium, 2010)

  

I) Ein Beispiel ...

CARPE DIEM
(Horaz, 11. Gedicht aus Buch I)

Tu ne quaesieris (scire nefas), quem mihi, quem tibi
finem di dederint, Leuconoe, nec Babylonios
temptaris numeros. Vt melius, quicquid erit, pati!
Seu pluris hiemes seu tribuit Iuppiter ultimam,
quae nunc oppositis debilitat pumicibus mare               
Tyrrhenum, sapias, vina liques et spatio brevi
spem longam reseces. Dum loquimur, fugerit invida
aetas: CARPE DIEM, quam minimum credula postero.

Du frage nicht (es ist dir nicht gestattet das zu wissen), welches Lebensende die Götter Dir, welches sie mir bestimmt haben, Leuconoe (Name einer jungen Frau), und befrage nicht Babylonische Horoskope. Es ist ja besser, alles, was sein wird, hinzunehmen!
Sei es dass Juppiter dir noch mehr Winter, sei es dass er dir den letzten zugeteilt hat,
der jetzt das Tyrrhenische Meer sich an entgegen ragenden Felsen brechen lässt:
Sei klug, schenk Wein ein und schneide die weit reichende Hoffnung auf eine kurze Zeitspanne zurück. Während wir noch sprechen, ist die neidische Lebenszeit verflogen:
NUTZE DEN TAG, überlass möglichst wenig dem morgigen.

DSC_0080Dieses Gedicht hat der römische Dichter Horaz vor 2000 Jahren geschrieben.
Vielleicht konnten Sie diese Übersetzung gut verstehen.
Dann freut sich der Übersetzer.
Denn wer übersetzt, ist immer auf der Suche: nach der noch besseren, nach der noch treffenderen Wiedergabe der lateinischen Worte im Deutschen: in ihrer Bedeutung, in ihrem Klang, in ihrer Bildlichkeit, in ihrer Reihenfolge.
Soll man möglichst wortgetreu, so wie es im lateinischen Text steht, übersetzen? Dann würde der Sinn genau dokumentiert.
Oder doch so, dass man ganz geläufige Worte im Deutschen wählt, die aber nicht genau den lateinischen entsprechen? Dann wirkt es auf uns nicht mehr fremd, ist unmittelbarer verständlich...
Immer wieder stößt man auch an Grenzen, weil die eine Sprache nicht kann, was die andere konnte: z. B. „CARPE DIEM": Da stand Horaz ein Bild vor Augen, denn das Verb „carpere" hieß für die Römer „pflücken, ernten". Also: „Pflücke / ernte den Tag" wie eine Frucht an einem Baum oder auf dem Feld, tu das zur rechten Zeit, damit die Frucht nicht verdirbt, warte also nicht, verschwende nicht die Zeit des Tages, z. B. des heutigen.

Was meint Horaz eigentlich damit, dass es „verboten" ist, die Zukunft zu wissen? Offenbar, weil das Juppiter, dem obersten Gott der Römer, ins Handwerk pfuschen würde ... - gilt das dann noch für uns?
Stimmen wir Horaz zu, es sei besser, die Zukunft einfach auf sich zukommen zu lassen und hinzunehmen? Also Gelassenheit zu üben? Oder ist es doch das Richtige, Alternativen zu überlegen und engagiert für diese einzutreten?
Wie sollen wir das verstehen, wenn Horaz uns empfiehlt, die „Hoffnung auf eine kurze Zeitspanne zurückzuschneiden"? Doch wohl: nicht auf große, ferne Ziele und Ereignisse zu hoffen, sondern das in nächster Zeit Machbare sich vorzunehmen. Also nicht: „Lebe deine Träume..."?

Schon sind wir mitten in dem, was uns von Anfang an im Lateinunterricht beschäftigt.
Wir übersetzen einen Text, der vor 2000 oder 2100 Jahren geschrieben worden ist, und beim Übersetzen und danach stellt dieses Gedicht uns vor Fragen, die unmittelbar auch unsere sind, und gibt Anregungen: Manchem stimmen wir zu, manches lehnen wir vehement ab.
Wir treten in ein Gespräch, einen Dialog mit dem antiken Autor ein, unternehmen gewissermaßen eine geistige „Zeitreise" in eine ferne Welt, in der wir aber gleichzeitig mit vielen unserer europäischen Vorstellungen verwurzelt sind.

II) ... und sieben gute Gründe für Latein

1: Neue Schulbücher ...
Wenn Schülerinnen und Schüler heute ab der 5. Klasse Latein lernen, finden sie Schulbücher vor, die sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt haben:
Mit einer Fülle farbiger Zeichnungen und Photos führen die Bücher den Schülern die Lebensbedingungen der antiken römischen Welt vor Augen; Skizzen und Graphiken verdeutlichen Sprachliches und Inhaltliches.
Der Umfang der grammatikalischen Inhalte und der Vokabeln ist genau auf das abgestimmt, was die Schülerinnen und Schüler für die Lektüre lateinischer Originaltexte ab Klasse 8 oder 9 benötigen.
Von Anfang an werden zusammenhängende Texte geboten, in denen Geschichten und Mythen erzählt oder historische Ereignisse dargestellt und allgemeine menschliche Probleme und Fragen erörtert werden, über die schon römische Autoren nachgedacht haben.
Auch schon in den Lektionen der Lehrbücher lernen die Schülerinnen und Schüler schrittweise immer genauer die Besonderheiten in Sprache und Stil kennen, die die lateinischen Originaltexte prägen.


2: Grammatik lernen beim Übersetzen
Das Übersetzen verlangt, dass man eine Sprache sorgfältig in ihren Formen und Ausdrucksmöglichkeiten kennen lernt und analysiert. Dazu gehört auch die genaue Kenntnis von Grammatik. Die Schülerinnen und Schüler lernen in Latein, wie eine Sprache funktioniert und wie man dies beschreiben kann.

3: Die Ausdrucksmöglichkeiten erweitern beim Übersetzen
Das Übersetzen aus dem Lateinischen ist ein kreativer Prozess, wenn es darum geht, möglichst treffend wiederzugeben, was man im lateinischen Text gelesen hat. Bei dieser Suche sind ständig der eigene Wortschatz und die Ausdrucksmöglichkeiten in der Muttersprache gefordert und werden trainiert und erweitert - weit über die sms- und Chat-Sprache hinaus.

4: Lateinische Texte genau lesen
Die z. T. deutlich andersartige Struktur der lateinischen Sprache (z. B. die Wortstellung; die Bildung von Formen) erfordert, dass die lateinischen Texte präzise und in vergleichsweise langsamem Lesetempo gelesen werden. Gefordert sind Geduld und Ausdauer, Einfühlungsvermögen in den Text, Phantasie und die Anwendung der sprachlich-grammatikalischen Kenntnisse beim Mitvollziehen der Gedanken und der Form, in der sie von den antiken Autoren formuliert sind.

5: Fremde Texte verstehen beim Übersetzen
Mit dem Übersetzen treten die Schülerinnen und Schüler in eine Auseinandersetzung mit einer für sie immer wieder gleichzeitig z. T. fremden, z. T. auch bekannten Gedankenwelt ein. Indem sie die lateinischen Texte genau in ihre eigene Sprache umsetzen, geben sie sich auch Rechenschaft darüber, was sie verstanden haben und gedanklich nachvollziehen können bzw. was auf sie andersartig wirkt.

6: Die Welt der Römer und die eigene Welt vergleichen
Auf diese Weise setzen die Schüler sich mit der Welt und den Gedankenmodellen, die die antiken Schriftsteller beschrieben haben, auseinander. Sie vergleichen sie mit dem, was ihnen in ihrer heutigen Umwelt ganz selbstverständlich begegnet, können abwägen, Ereignisse und Verhältnisse mit wechselnden Perspektiven betrachten und so ihr kritisches Wahrnehmungsvermögen schulen und auf diesem Weg auch ihren eigenen Standpunkt genauer bestimmen.
Gerade die jüngeren Schüler lassen sich immer wieder von den Mythenerzählungen faszinieren, die auf ihre Weise die Welt erklären:
der menschenfreundliche Halbgott Prometheus, der vom Olymp, dem Wohnsitz der Götter, das Feuer stiehlt und es den Menschen bringt;
der übermäßig starke Herkules, der den Menschen in vielen Gefahren und Nöten hilft;
der trojanische Krieg und seine trojanischen und griechischen Kämpfer: das „Urbild" des Krieges mit der ganzen Bandbreite von Heldenhaftigkeit bis hin zu unendlichem Leid;
Odysseus und Penelope: er der kluge, raffinierte Held, der nach zehn Jahren des trojanischen Krieges weitere zehn Jahre lang nicht von seinen Irrfahrten nach Hause findet, auf denen er sagen- und märchenhafte Abenteuer erlebt; sie die übermenschlich standhafte Frau, die ihrem Mann Odysseus über all die Jahre hinweg unbeirrbar die Treue hält...
In anderen Texten werden philosophische Fragen der Sinnsuche und danach , wie man sein Leben führen solle, aufgeworfen und es werden Antworten formuliert, die nach kritischer Auseinandersetzung verlangen.
Oder die politischen Verhältnisse werden beleuchtet und Überlegungen dazu angestellt, wie das Individuum und der Staat zueinander stehen sollen. Neben historischen Texten stehen Gedichte, in denen die Empfindungen der Menschen, die Liebe, das Verhältnis von Mann und Frau die Themen sind ...
Immer wieder werden Schülerinnen und Schüler bei dieser Auseinandersetzung entdecken, dass neben vielem Andersartigen auch überraschend viel Antikes sich kaum von Heutigem unterscheidet, dass wir in vielen Anschauungen nach wie vor von Römern und Griechen geprägt sind.

7: An lateinischen Texten Literatur kennen lernen
Die lateinischen Texte, zumal die, die in der Schule gelesen werden, haben eine hohe sprachliche und literarische Qualität. So bieten sie die Chance, dass Schülerinnen und Schüler auch trainiert werden, was das Lesen anspruchsvoller Texte und literarischer Formen angeht. Sie können entdecken, dass das, was wir heute unter Literatur verstehen, zu einem erheblichen Teil von antiken Vorbildern geprägt worden ist.

wkr 5/2010

Gedanken über Latein in der Schule...

von Heike Schmoll, Frankfurter Allgemeine Zeitung

von Theo Sommer, Die Zeit

von Ulrich Greiner, Die Zeit 

 

 

LateinPlus  - ein Angebot auch für Ihr KindDSC_0123
Das Ernestinum in Celle ist traditionell seit Jahren den beiden Sprachen Latein und Griechisch sehr verbunden. Als einziges Gymnasium des Landkreises mit altsprachlichem Zweig bieten wir unseren Schülern daher in der 5. Klasse zwei mögliche Einstiege in der Sprachenfolge. Schüler können in der 5. Klasse mit Latein als zweite Fremdsprache beginnen und dabei gleichzeitig Englisch als die in der Grundschule begonnene erste Fremdsprache fortsetzen. Hierbei werden Latein mit 4 Wochenstunden und Englisch ebenfalls mit 4 Wochenstunden unterrichtet. Hierfür wird der Unterricht im Fach Deutsch in Klasse 5 um 1 Stunde gekürzt und eine Stunde Unterricht in Naturwissenschaften in die Klasse 6 verlagert. Die Zeugnisnoten für das Fach Latein sind in Klasse 5 noch nicht versetzungsrelevant. Zusätzlich bieten wir Schülern die Möglichkeit an, erst in der 6. Klasse mit Latein zu beginnen, um vor allem die Kompatibilität unter den Celler Gymnasien zu garantieren, so dass ein Schulwechsel von einem anderen Gymnasium zum Ernestinum in Klasse 5 bzw. 6 grundsätzlich möglich ist. Dennoch raten wir dazu, dass die Kinder in der 5. Klasse mit dem Modell „LateinPlus“ beginnen, zumal Latein ab Klasse 6 nur zustande kommt, wenn auch eine Klasse gebildet werden kann. LateinPLUS hat sich seit einigen Jahren mit großem Erfolg auch in anderen Bundesländern bewährt. Durch die Verkürzung der Schulzeit auf 8 Jahre haben die Kinder effektiv mehr Zeit zur Bewältigung des Stoffes.

Flyer zu LateinPLUS   Flyer in witziger Version 

Präsentation zu LateinPLUS (Dr. Jäger)

Latein und EDSC_0518nglisch im „Doppelpack“ zu lernen, bietet viele Vorteile.

Warum sollen die Kinder schon in der Klasse 5 gleichzeitig Englisch und Latein lernen?

  1.    In der Grundschule haben die Kinder den spielerischen Umgang mit einer Fremdsprache, mit Englisch, erfahren. Sie haben eine Fremdsprache kennen gelernt, die der Kommunikation dient.

  2.    Latein in Klasse 5 macht das Funktionieren von Sprache bewusst. Weitergeführtes Englisch allein erreicht diese Vertiefung nicht. Früher Latein- und Englischunterricht ergänzen sich ideal!

  3.    Latein in Klasse 5 ist altersgerecht. Die Kinder befinden sich in einer intellektuellen Entdecker-Phase. Latein kommt dem Bedürfnis nach Ordnen, Strukturieren, Systematisieren entgegen. Es weckt Neugier und fördert die Konzentration.

4.    Lateinunterricht findet auf Deutsch statt. Die Schüler lernen die lateinische Sprache nicht, um Latein zu sprechen, sondern um lateinische Texte zu übersetzen. Durch diese Übersetzung vom Lateinischen ins Deutsche lernen die Kinder von der ersten Lateinstunde an, ihre eigene Sprache bewusst zu gebrauchen. Erfahrungen zeigen, dass frühzeitiger Lateinunterricht bei jungen Schülern die muttersprachliche Kompetenz erhöht  und  somit die Chancengleichheit fördert. Die frühe Begegnung mit Latein führt zu einer Sensibilisierung des Sprachvermögens, was sich auch im Deutschunterricht positiv auswirkt. Gerade in einer Zeit, in welcher die Kinder bedingt durch mediale Einflüsse immer weniger lesen stärkt früher Lateinunterricht auch die Lesekompetenz in der Muttersprache.

5.    Bei dem Beginn in Klasse 5 haben die  Kinder ein Jahr mehr Zeit, die gleichen Ziele zu erreichen als die Kinder, die erst in der 6. Klasse anfangen!

6.    Das an der ,alten‘ Sprache Latein erlernte methodische Vorgehen, die Einsicht in die Struktur und die Prinzipien, nach denen ,Sprache' funktioniert, fördert und vereinfacht das Erlernen weiterer (moderner) Fremdsprachen. Die Kinder lernen gleich mit dem Eintritt in das Gymnasium, wie man lernt. Latein vermittelt also Strukturen, dient der Vernetzung, die dem Erlernen anderer Sprachen zu Gute kommt.

7.    Um diese Vorteile möglichst effektiv zu nutzen, finden regelmäßige Absprachen zwischen den Deutsch-, Englisch- und Lateinlehrern der LateinPlus-Klassen statt. Dadurch wird zum Beispiel gewährleistet, dass die Schüler in allen Sprachen einheitliche Begriffe in der Grammatik verwenden, was ihnen den Zugang und einen tatsächlichen Sprachvergleich deutlich erleichtert. Durch den Vergleich der Sprachen analysieren die Kinder gleichsam als Sprachdetektive die Formen jeder Sprache und finden dabei die grundlegenden Unterschiede heraus. Neugier und Wissensdurst der Kinder, die sich  in einer intellektuellen Entdecker-Phase befinden, werden dabei gefördert und befriedigt.

8.    Latein ist ein modernes Unterrichtsfach: Präzises Durchdenken ist die Grundlage, logische Zuordnung das Prinzip, Reflexion über Vergangenes und Aktuelles Absicht.  Geistige Flexibilität, Kritikfähigkeit und Offenheit für die Zukunft sind  angestrebte Ziele. Die Vermittlung erfolgt nach modernen, lebendigen Lehr- und Lernverfahren mit einem altersgerechten und motivierenden Buch. Moderne Sprachen ändern sich im täglichen Umgang durch Kommunikation. Latein wird nicht mehr gesprochen - es sei denn im Vatikan oder in kleineren Zirkeln -, und doch ist Latein keine ,tote' Sprache, sondern aktuell und lebendig durch die Literatur, deren Inhalte oft erstaunlich modern sind.

9.    Die deutsche Sprache enthält viel Lateinisches: Redewendungen und Sprichwörter (Nomen est omen), Lehnwörter (fenestra = Fenster), Fremdwörter für Erfindungen oder Produkte (Lokomotive, Audi, Computer), Fachbegriffe verschiedenster Art (Konzentration, Kreativität, Integration, Kommune ...).

10.Die positiven Effekte des Lateinunterrichts wirken sich intensiver aus, wenn er frühzeitig beginnen kann.

11.Durch die Verschiedenheit von Zielsetzung, Inhalt und Methode des Latein- und Englischunterrichts ergänzen und bereichern sich beide Sprachen.

12.Latein im Doppelpack mit Englisch ab der Klasse 5 ist in vielen Bundesländern und auch in Niedersachsen „ein Renner“. Erfahrungen zeigen, dass Überforderungen der Kinder nicht beobachtet werden.

 

Die Römer im Internet

Wer glaubt, dass Römer, Latein und Internet unvereinbar seien, ist schwer auf dem Holzweg. Es ist im Gegenteil so, dass man aufpassen muss, nicht von der Fülle qualitativ hochwertiger Text- und Bildinformationen erschlagen zu werden. Zum Beispiel bieten Schulen und Museen auf ihren Homepages neben dem Einblick in ihre Arbeit in der Regel Unmengen weiterführender Links zum Thema Römer und man erhält Anregungen und Informationen, mit denen man leicht ein ganzes Studium, um nicht zu sagen: ein ganzes Leben füllen könnte. Zwei Sender (u.a. Radio Bremen) verbreiten sogar aktuelle Nachrichten in lateinischer Sprache, die man im Internet nachlesen (und hören!) kann.

Wir haben im Folgenden nur einige wenige Internetadressen zusammengestellt, die einem nach wenigen Mausklicks die aufregende Welt der Römer erschließen können.

http://www.radiobremen.de/nachrichten/latein/

Nachrichten in lateinischer Sprache

http://www.kalkriese-varusschlacht.de/

Kalkriese - Ort der Varusschlacht

http://www.landesmuseum-trier.de/de/home.html

Römerstadt Trier

http://www.roma-antiqua.de/

Virtueller Rundgang zu den antiken Stätten Roms

http://www.museenkoeln.de/roemisch-germanisches-museum/

Römisch-Germanisches Museum Köln

www.altphilologenverband.de/

Dachverband der Lateinlehrer - u.a. zahlreiche Beiträge zur Bedeutung der Alten Sprachen - Linksammlung

www.prolatein.de/

Massenhaft Nützliches zum Fach Latein - zahlreiche Beiträge zur Frage „Wozu Latein?" - ausführliche Linksammlung

http://members.aon.at/latein/

Linksammlung

www.antikefan.de

Umfangreiche Informationen mit vielen Bildern

www.quisfitcrassus.net/fragen/index.php

Umfangreiches Quiz zur Antike

http://www.gymnasiumsteglitz.de/cms/fachbereiche/latein/

Latein-Info-Seite des Altsprachlichen Gymnasiums Steglitz, Berlin

www.mythologica.de

Online-Lexikon der antiken griechischen Götter, Göttinnen, Heldinnen und Helden.

http://www.gottwein.de/

Umfangreiche Informationen rund um die alten Sprachen; Texte und Übersetzungen

http://www.mbradtke.de/index0.htm

Umfangreiche Informationen für Schüler zum Fach Latein (Grammatik, Formenlehre etc.)

http://www.kirke.hu-berlin.de/

Anspruchsvolle Info-Seite zu den alten Sprachen vor allem für die Oberstufe und Universität