Erfahrungsbericht USA

von Jost Maecker (16)


Seit ziemlich genau drei Monaten bin ich nun als Gastschüler in den USA. Ich lebe hier bei einer Familie an der Ostküste in Walpole (25.000 Einwohner), einem Vorort von Boston, Massachusetts. Die Gasteltern Amy und Bruce sen. sind Bekannte von meinen Eltern, sie haben drei Kinder in meinem Alter. Um genau zu sein: ein gemischtes ZwillingspaarBrooke und Bruce jun. im Alter von 15 Jahren und eine ältere Schwester Paige im Alter von 17. Normalerweise hat jedes Kind hier sein eigenes Zimmer, aber die Mädchen haben extra für mich einen Raum freigegeben und machen nun ein Jahr lang „room sharing“. Mein Gastvater ist übrigens selbstständiger „lawyer“, meine Gastmutter arbeitet als „school administrator“.


Ich habe mich relativ schnell eingelebt und gehe auf die Walpole HighSchool, wo ich schon viele Freunde gefunden habe. Eine Woche nachdem ich hier angekommen war, gingen auch schon direkt die “Tryouts” für die Herbstsportarten los, d. h. am Ende der Sommerferien wurden die Teams für die Sportarten Soccer, American Football, Field Hockey und Leichtathletik zusammengestellt. Für mich kam bei den “Tryouts” nur das Fußballteam, also Soccer, in Frage. Zwei Wochen lang haben wir hart trainiert und letztendlich konnte ich mich nach einem echt anstrengenden Auswahlverfahren als Stammspieler qualifizieren, was mir im Nachhinein auch schon sehr geholfen hat, am Anfang als totaler Neuling und Ausländer Anschluss zu finden. Wir haben übrigens nur ein Spiel gegen andere High School Teams gewonnen… Hingegen hat meine Gastschwester Brooke mit ihrem soccer team alles gewonnen und sie hat an den State Champion Playoffs teilnehmen dürfen!

Walpole High School 


In der Wintersaison sind dann Sportarten wie Basketball und Eishockey im Angebot. Im Frühling gibt es dann Sportarten wie Lacrosse, Baseball und Tennis. Da ich aktiver Tennisspieler bin, werde ich dann versuchen,mich für das Tennisteam zu qualifizieren. An sich laufen hier die meisten Sportarten über die Schule, also gibt es wenige private Clubsportarten am Nachmittag – eigentlich läuft alles über die einzelnen Schulteams.


Ein normaler Schulalltag ist etwas anders als in Deutschland, würde ich sagen. Ich stehe hier jeden Morgen um 06.00 Uhr auf und mache mich für die Schule fertig, die um 07:25 Uhr losgeht. Wir fahren mit dem Auto zur Schule, ich vermisse das tägliche Radfahren übrigens total. Klimawandel & Fridays for Future sind hier nicht so das Dauerthema…

In der High School angekommen, ist es eigentlich ein ganz normaler Schulalltag: 6 Fächer pro Tag. Es gibt jedoch andere Schulfächer als in Deutschland, zum Beispiel anstatt „normaler“ Geschichte haben wir hier US Geschichte, und man hat jedes Jahr nur eine Naturwissenschaft, je nachdem in welchem Jahrgang man ist. Ich habe dieses Jahr Chemie. Natürlich gibt es auch ganz normale Fächer wie Englisch, Mathematik, Französisch und so weiter. Aber man kann auch Fächer dazu wählen wie Ingenieurswissenschaften, Orchester, Anatomie des Menschen und noch viele weitere. Ich denke, der größte Unterschied im Vergleich zu Deutschland ist, dass die Schulen digitalisierter sind. Zum Beispiel verfügt jeder Schüler über seinen eigenen Laptop und erledigt sehr viel online. Man kann übrigens seine Performance, also mündliche und schriftliche Noten, online abrufen.

My classmates and me


Nach dem Unterricht geht es dann eigentlich für jeden Schüler, der eine Schulsportart betreibt, zum Training auf das Schulgelände. Eigentlich hat man hat selten Zeit, vorher noch nachhause zu kommen. Wenn man keine Sportart betreibt, ist man ca. um 14:30 Uhr zuhause, aber wenn man Mitglied einer Schulmannschaft ist, kommt man erst um 16:30 Uhr nach Hause. Danach hat man dann meistens noch Hausaufgaben zu erledigen.

My soccer teammate Collin


Nach dem ersten Vierteljahr kann ich auf jeden Fall schon einmal sagen, dass sich mein Englisch etwas verbessert hat, hauptsächlich ist es viel flüssiger als vorher. Ich selbst war nie der beste im Englischunterricht, aber ich denke, dass das für mich und niemanden sonst ein Problem ist, da man hier ein relativ einfaches Basic English spricht.


Sämtliche Vorurteile bzw. Clichés, die man so über Amerika hat, stimmen eigentlich alle mit der Realität überein. Angefangen mit der Gastfreundlichkeit und Offenheit der Amerikaner und ihrem Patriotismus. Es sind überall Amerika Flaggen aufgehängt und jeder hat einen vergleichsweise großen Nationalstolz. Das wahrscheinlich wahrste Cliché ist das Fastfood, was es tatsächlich an jeder Ecke in Unmengen gibt. Zum Glück kocht meine Gastmutter Amy ganz gut. Bei dem vielen Sport hier habe ich eigentlich auch immer Hunger…

Halloween – Haunted House


Alles in allem ist es sehr interessant und cool, die englische bzw. amerikanische Sprache besser kennenzulernen und auch in einer anderen Kultur zu leben. Es ist die Erfahrung auf jeden Fall wert. Übrigens: Es gibt natürlich auch ganz andere Feiertage als in Europa. Halloween ist sehr beliebt hier und jeder feiert es ausgiebig. Es gab viele Partys von meinen Freunden und vielen anderen Leuten aus der Schule. Auf Thanksgiving am 25. November und Weihnachten bin ich gespannt, der große amerikanische Feierteig „Independence Day“ wird dann am 4. Juli 2022 zelebriert. Da ist mein Auslandsjahr aber fast schon vorbei…

Isabella & Jost als Zuschauer beim Football Heimspiel Walpole High

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