Ukraine

Hilfsgüter für Menschen in / aus der Ukraine – Zusammenleben in unserer Schule


Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen,


auf Initiative unseres Kollegen StR Neuer, der über sein Engagement beim DRK schon Erfahrungen mit Hilfsgüter-Spendenaktionen für die Hochwasser-Katastrophe in der Eifel gesammelt hatte, wende ich mich heute an die Schulgemeinschaft mit der Bitte um Unterstützung des nachstehenden Spendenaufrufs, den Herr Neuer für uns verfasst hat:


„Im Zuge des Krieges in der Ukraine entsteht eine sich immer weiter verschärfende Lage für die Menschen vor Ort und die aus den umkämpften Gebieten geflüchteten Menschen an der Grenze. Viele aus unserer Schulgemeinschaft haben schon Interesse geäußert, hier praktisch helfen zu können. Dazu würden wir die Anstrengungen an unserer Schule gerne bündeln und in den folgenden Tagen Hilfsgüter zentral sammeln, um dieser einer der Organisationen zu übergeben, die diese zielsicher zu den Bedürftigen bringen können. 

Schon am kommenden Freitag, 4.3.2022, nach der zweiten Pause soll der erste Transport vorbereitet werden, bis dahin habt Ihr Zeit, Eure Beiträge beizusteuern.

Gesammelt werden die Hilfsgüter im kleinen Lehrerzimmer und können in den großen Pausen und der Mittagspause im Lehrerzimmer abgegeben werden. 

Die Transportkapazitäten in die Region sind begrenzt, daher sind die benötigten Artikel klar priorisiert: 

Benötigt werden mit höchster Priorität:

- Verbandsmaterial (auch abgelaufene Mullbinden aus Autoverbandskästen etc.)

- Medikamente (Schmerzmittel, Fiebermedikamente, … )

- Hygieneartikel (Seifen, Zahnbürsten, usw. 

- Baby-Bedarf (haltbare Babynahrung, Milchpulver, Windeln, … )

Benötigt werden mit hoher Priorität:

- Medizinisches Gerät (Blutdruckmessgeräte, Fieberthermometer, usw.)

- Desinfektionsmittel und Mittel zur Wasseraufbereitung

- Schlafsäcke und Decken

- Baby- und Kinderkleidung (Wäsche und vor allem Jacken, Mützen etc.)

- Unterwäsche, Socken, Jacken etc. für Erwachsene

Mit geringer Priorität:

- Haltbare Nahrungsmittel

- Normale Kleidung

Beim Packen beachten: 

1. Auch wenn beste Absicht dahinter steckt: Bitte verzichtet im Moment noch auf Spielzeuge, Süßigkeiten  und andere „Luxusartikel“, es geht zur Zeit um das Lebensnotwendige. 

2. Bitte packt lieber große Mengen der gleichen Sache zusammen als Care-Pakete mit „von allem ein bisschen“ zu packen. Das erleichtert die Verteilung.

3. Bitte packt am besten einfach zu verladende Kartons und Kisten und beschriftet diese mit dem Inhalt. 

Bei Fragen könnt ihr euch per Mail oder in den Pausen an Herrn Neuer wenden.“

Vielen Dank für die Bereitschaft zur Hilfe!


Nachdem im ersten Teil dieses Schreibens die Menschen in der Ukraine im Vordergrund stehen sollten, muss ich aufgrund schon eingetroffener Anrufe und Mails noch wichtige Grundzüge unseres Bildungsauftrages und unseres Zusammenlebens in unserer Schulgemeinschaft ansprechen:

Der vom russischen Präsidenten und seinen Gefolgsleuten lange vorbereitete Überfall russischer Truppen auf die Ukraine, in der sich die Menschen bei freien Wahlen mit überwältigender Mehrheit für die Demokratie und die Zugehörigkeit zu Europa entschieden haben, wühlt auch in unserer Schulgemeinschaft die Menschen sehr auf. Es gibt neben der o.g. Sachspendenaktion verschiedene weitere Ideen für Solidaritätsbekundungen für die Menschen in der Ukraine, es gibt aber auch die Sorge, dass jetzt Mitschüler wegen der Beziehungen ihrer Familien nach Russland sich unter Rechtfertigungsdruck gesetzt sehen. 

Im Hinblick auf unser Zusammenleben in unserer Schulgemeinschaft bitte ich zu bedenken, dass keine Schülerin und kein Schüler sich seine ethnische, kulturelle und familiäre Herkunft ausgesucht hat und auch nicht in irgendeiner Form an den politischen und militärischen Entscheidungen beteiligt war, die im Kreml getroffen wurden. Vorwürfe sind daher gegenüber Mitschülern absolut unangebracht und zu unterlassen.

Umgekehrt bitte ich aber auch zu bedenken, dass objektive Informationen und darauf wohl begründete kritische Aussagen zum aktuellen Vorgehen der russischen Regierung sehr wohl unserem Bildungsauftrag entsprechen und keineswegs Ausgrenzung oder Mobbing gegen Mitmenschen mit Beziehungen nach Russland bedeuten. Wer russische Regierungs-Propaganda in unsere Schule trägt, darf sich über Widerspruch und Richtigstellung nicht wundern. Wer gar Bewunderung für den Aggressor und Massenmörder Putin in der Schule zum Ausdruck bringt und trotz Richtigstellung die Desinformation aus dem Kreml weiter verbreitet, stört den Schulfrieden. 

Immerhin gehört zur Wahrheit ja auch, dass auch in vielen Städten Russlands viele mutige russische Menschen unter ganz hohem persönlichem Risiko gegen den vom russischen Präsidenten befohlenen Krieg protestieren und dafür verprügelt, verhaftet und bestraft werden. Schon dafür lohnt es sich, am Ernestinum auch Russisch zu lernen, dass wir neben der Kreml-Propaganda von RT auch die Zwischentöne und die Vielfalt der russischen Kultur und Gesellschaft als Teil Europas wahrzunehmen lernen und den Unterschied zwischen russischer Bevölkerung und Regierung beachten.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein friedliches gemeinsames Lernen, das der Wahrhaftigkeit verpflichtet ist und dem objektiven gemeinsamen Erkenntnisgewinn und Heranreifen dient.

Viele Grüße

Ihr und Euer 

J. Habekost, Schulleiter

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